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Licht im Alter – eine anspruchsvolle Aufgabe

Wohnzimmer im Zentrum Freitag

Spezialleuchte der Firma Licht+Raum

Aufenthaltsbereich AZ Lenzburg

Erschliessung einer Wohngruppe AZ Lenzburg

Modellfoto Projekt AZ Eichrain Zürich

Prinzipschnitt Alterszentrum in Naters

In den vergangenen Jahren sind viele Alterszentren, Wohn- und Pflegeheime entstanden. Dies veränderte bauliche Rahmenbedingungen und führte zu verschärften Richtlinien, welche die Mettler+Partner Licht AG in ihrer Arbeit vor neue Herausforderungen stellt. Vier aktuelle Projekte zeigen, wie sich trotz Auflagen durchdachte Lichtkonzepte realisieren lassen.

Geht es darum, in Altersheimen, Wohn- oder Pflegezentren das Licht zu definieren, haben Lichtgestalter nicht uneingeschränkt das Sagen. Aufgrund des Baubooms in den vergangenen Jahren sind seitens Behörden die Richtlinien im Bereich Sicherheit und Gesundheit gestiegen. Viel Licht wird dabei mit gesundheitsfördernden Massnahmen gleichgesetzt. Lichtgestalter sprechen in diesem Falle wenig begeistert von einer «Lichtsuppe», die keine Akzente zu versetzen mag. «Oft gehen im Zuge solcher Standards die gestalterischen Aspekte vergessen, die zur Wohnlichkeit und einer angenehmen Stimmung beitragen», erklärt Marc Dietrich. Bei der Mettler+Partner Licht AG ist man sich bewusst: Diese Eigenschaften lassen sich nicht einfach messen. «Dennoch sind wir der Überzeugung, durchdachte Lichtkonzepte und ausgewählte Leuchten tragen viel zum Wohlbefinden bei.» Sie beeinflussen die psychische Verfassung und indirekt die Gesundheit der Menschen.

Der Spagat zwischen Auflagen und Ästhetik

Dietrich weiss, wovon er spricht. Er und sein Team haben in den vergangenen Jahren diverse Beleuchtungskonzepte für Alterswohnheime entwickelt und sich damit oftmals herausfordernden Aufgaben gestellt. Auch bei vier aktuellen Projekten ging es darum, den Spagat zwischen gesetzlichen Anforderungen und Ansprüchen an die Ästhetik zu meistern. Dabei dürfen die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner nicht vergessen gehen.

Lichtdefizite kompensieren

Wie sieht ein bedürfnisorientiertes Lichtkonzept beispielsweise im Zentrum Freitag in Winterthur aus? Gemäss Marc Dietrich halten sich Menschen in einem Dementenheim öfters in den Räumen auf: «Sie bekommen automatisch weniger Tageslicht. Es ist deshalb wichtig, dieses Defizit mit künstlichen Lichtquellen zu kompensieren.» So haben die Lichtplaner die Wohnräume mit sehr viel diffusem Licht und grossen Leuchten bespielt. Trotz hoher Beleuchtungsstärken und gleichmässig verteiltem Licht strahlen die Räume dank objekthaften Spezialleuchten Wohnlichkeit aus.

Architekturintegrierte Lichtlösungen

Ebenso für Wohnlichkeit sorgen Materialien, Oberflächen und Farben. Im Alters- und Pflegeheim Obere Mühle in Lenzburg entstand die Lichtlösung stark abgestimmt auf die Architektur. «Entgegen den Empfehlungen wählten wir relativ kleinformatige Leuchtkörper für Decke und Wand», so Marc Dietrich. Die von den Architekten Oliv Brunner Volk verwendeten hellen Farben und hohe Reflektionsgrade reduzieren die Kontraste. Die Wandleuchten blenden nicht und leuchten Erschliessungs- und Aufenthaltszonen stimmungsvoll aus.

Die Mischung macht’s

Ein weiterer Ansatz ergibt sich aus der Kombination ausgewählter Leuchten. Umgesetzt wird dies im zurzeit in Planung befindenden Alterszentrum Eichrain der Stadt Zürich. In den Erschliessungszonen soll das Licht gleichmässig und sehr diffus strahlen, wobei sich die grossformatigen kubischen Acrylglasleuchten der Gebäudetopologie anpassen. In den Restaurations- und Aufenthaltsräumen werden runde Textilleuchten platziert. Angeordnet in Gruppen entstehen helle Zonen zum Lesen sowie zurückhaltende Bereiche zum Verweilen.

Behaglichkeit schaffen

Textilleuchten prägen auch das Lichtkonzept im Zentrum Rund ums Alter in Naters. «Eine plissierte Deckenleuchtenkonstruktion und schräg abgekantete Leuchten, die eigens für dieses Haus entwickelt werden, schaffen eine behagliche Wohnraumatmosphäre», erklärt Tobias Gsell. Gleichzeitig berücksichtigt die Lichtplanung das Bedürfnis nach umfassender Helligkeit und idealen Bedingungen für kontrastreiches Sehen. Dies lässt sich «mit einer ausgewogenen Mischung aus direktem und indirektem Licht sowie einem reduzierten Hell-Dunkel-Kontrast» erreichen. So verdeutlich dieses Projekt ebenfalls: Es ist möglich, gestalterische Aspekte trotz einschränkenden Richtlinien nicht aus den Augen zu verlieren.
 

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